Save the date: Gedenktag für die Opfer rechter Gewalt in Erfurt | 24.10.2026 | ab 14 Uhr | Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Erfurt

Am 24.10.2026 findet in Erfurt der zweite offizielle Gedenktag für die Opfer rechter Gewalt statt. Ab 14 Uhr laden wir in die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße ein. Das Thema des Tages lautet: „Wem gehört der öffentliche Raum?“. Geplant sind
eine Podiumsdiskussion und Infostände, dazu Angebote für Begegnung und Austausch. Zudem ist die Foto-Ausstellung „Rechtes Land“ des Fotografen Julius Schien ist Teil des Gedenktages.

Grafik zum Erfurter Gedenktag für die Opfer rechter Gewalt. Auf schwarzem Hintergrund sind ein stilisiertes Gedenkzeichen (ein Dreieck, mit Flammen und zwei Händen) sowie der Schriftzug „Erfurter Gedenktag für die Opfer rechter Gewalt“ zu sehen. Darunter stehen die Veranstaltungsdaten: „24.10.2026, ab 14:00 Uhr, Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Erfurt“.

Programm

► Finnisage der Ausstellung „Rechtes Land“

► Gedenkreden für die Todesopfer rechter Gewalt in Erfurt mit musikalischer Rahmung

► Podiumsdiskussion „Wem gehört der öffentliche Raum?“

► Markt der Möglichkeiten

Der Gedenktag wird im Auftrag der Stadt gemeinsam von Blinde Flecken e. V. – Initiative zur Aufarbeitung Rechter Gewalt, Vielfalt Leben-Queerweg Verein für Thüringen e. V. und ezra-Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen in Kooperation mit der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße durchgeführt.

Hintergrund

Seit 1990 starben in Erfurt mindestens drei Menschen durch rechte Gewalttaten.

Heinz Mädel (58), wurde 1990 queerfeindlich beleidigt, attackiert und so schwer verletzt, dass er wenige Tage später verstarb.

Ireneusz Szyderski (24), ein polnischer Erntehelfer, wurde 1992 aus rassistischen Motiven von Neonazis brutal misshandelt und starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Hartmut Balzke (48), wurde 2003 bei einem Angriff von Neonazis so schwer verletzt, dass er zwei Tage später im Krankenhaus starb.

Diese drei Ermordeten stehen stellvertretend für zahlreiche Menschen, die bis heute aus Motiven gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit Gewalt, Bedrohungen und Ausgrenzung erfahren. Die also nicht in Sicherheit leben können.
Und dennoch werden in den – seit Jahren auch in Erfurt rege geführten – Debatten zum Thema ‚Sicherheit‘, Migrant*innen und arme Menschen immer wieder zu Unrecht als die Verursachenden eines Unsicherheitsgefühls ausgemacht.

Der diesjährige Gedenktag verschiebt den Fokus dieser Debatte – hin zu den Perspektiven und der Verunsicherung derer, die von menschenfeindlicher Gewalt im öffentlichen Raum betroffen sind. Der Gedenktag will deshalb nicht nur an die Opfer erinnern, sondern deutlich machen, dass rechte Gewalt kein Randthema ist und eine akute gesamtgesellschaftliche Herausforderung darstellt.

So starben nach Recherchen von ezra, der Thüringer Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen seit 1990 mindestens zehn Menschen auf Grund rechter Gewalt. Dies stellte aus das im Mai 2026 – stark geschwärzt – veröffentlichte wissenschaftliche Gutachten „Todesfälle mutmaßlich rechter Gewalt in Thüringen seit 1990“ von Christoph Kopke, Felix Lange, Susanne Willems und Sebastian Döll. Zwei weitere Fälle werden darüber hinaus als Verdachtsfälle geführt. Staatlich anerkannt ist bislang nur ein Todesopfer. Eine solche staatliche Anerkennung würde bedeuten, gesellschaftliche Verantwortung für die rechten Gewalttaten, Tötungen und Morde zu übernehmen. Es kann die Schmerzen der Überlebenden und Hinterbliebenen nicht lindern, wäre aber auch ein klares politisches Signal.

In Solidarität mit den Betroffenen rechter Gewalt und in Gedenken an die Menschen, die seit 1990 in Thüringen ihr Leben durch rechte Gewalt verloren:

Heinz Mädel (Erfurt, 1990), Ireneusz Szyderski (Erfurt-Stotternheim, 1992), Karl Sidon (Arnstadt, 1993), Rolf Baginski (Nordhausen, 1997), Jana G. (Saalfeld, 1998), Axel Urbanietz (Bad Blankenburg, 2001), Hartmut Balzke (Erfurt, 2003), Oleg Valger (Gera, 2004), Klaus-Peter Kühn (Suhl, 2012), Mario K. (Altenburg, 2020) sowie Mario Jödecke (Schlotheim, 1993) und Sandro Beyer (Sondershausen, 1993).