EINLADUNG: 10.10.2026 VERNISSAGE Foto-Ausstellung »RECHTES LAND«

Hiermit laden wir Sie herzlich ein zur Vernissage der Foto-Ausstellung »RECHTES LAND« des Fotografen Julius Schien am 10.10.2026, 16 Uhr in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Erfurt. 

Die großformatige Außenausstellung kann vom 10. bis 24. Oktober 2026 im Innenhof der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt besucht werden. Sie zeigt Orte, an denen Menschen in Thüringen durch rechte Gewalt ihr Leben verloren haben. Veranstaltet wird die Vernissage von Julius Schien, Blinde Flecken e. V., der Opferberatung ezra, Vielfalt leben – QueerWeg Verein für Thüringen in Kooperation mit der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße.

Zum Ablauf: 

Im Rahmen der Vernissage wird der Fotograf seine Arbeit vorstellen. Zudem wird Prof. Dr. Franka Maubach, Historikerin und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Ettersberg, ein Grußwort halten. Abschließend wird es einen Input von Franziska Schestak-Haase, Beraterin bei der Opferberatung ezra, zum Stand des Neubewertungsverfahrens der Todesopfer rechter Gewalt in Thüringen geben: Bislang ist in Thüringen nur ein Todesopfer rechter Gewalt offiziell anerkannt. Ein im Mai 2026 veröffentlichtes unabhängiges Gutachten empfiehlt jedoch die Anerkennung von insgesamt zehn Todesopfern rechter Gewalt. Diese Anerkennung steht noch immer aus.

Zum Hintergrund: 

Die Ausstellung ist Teil des zweiten offiziellen Gedenktags für die Opfer rechter Gewalt in Erfurt, der am 24. Oktober 2026 ab 14 Uhr in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße stattfindet. Dieser wird im Auftrag der Stadt Erfurt von Blinde Flecken e. V. in Zusammenarbeit mit ezra – Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt sowie Vielfalt leben – QueerWeg Verein für Thüringen durchgeführt. Das Thema des Tages lautet: „Wem gehört der öffentliche Raum?“ Geplant sind eine Podiumsdiskussion und Infostände sowie Angebote für Begegnung und Austausch. Zudem findet die Finissage der Foto-Ausstellung »RECHTES LAND« statt.

Max Zarnojanczyk (Mitglied Blinde Flecken e. V. und Teil des Organisationsteams) erklärt:„Rechte Gewalt ist in Thüringen seit Jahren Realität – und sie findet mitten in unserem Alltag statt. Genau das macht die Ausstellung »RECHTES LAND« sichtbar: Sie zeigt Tatorte und Räume, die uns vertraut sind, und erinnert daran, dass diese Orte für Menschen zu Orten von Gewalt und Angst werden können. Damit passt die Ausstellung unmittelbar zu unserem Gedenktag, an dem wir den öffentlichen Raum aus der Perspektive derjenigen in den Blick nehmen, die rechte Gewalt und Abwertung erleben. Und wir wollen die Aufmerksamkeit auf jene lenken, die diese Gewalt mit ihrem Leben bezahlt haben. Ihre Namen und Geschichten müssen sichtbar bleiben. Dazu gehört für uns auch die staatliche Anerkennung der Todesopfer rechter Gewalt in Thüringen. Erinnerung darf dabei keine rituelle Inszenierung sein, sondern muss mit konkreten Ableitungen für die Zukunft einhergehen.“

Informationen zur Ausstellung »RECHTES LAND«Seit der Wiedervereinigung starben in Deutschland über 200 Menschen durch rechte Gewalt – über 200 Schicksale, die oftmals nicht nur im kollektiven Gedächtnis fehlen, sondern denen auch häufig eine offizielle staatliche Anerkennung verwehrt bleibt. Konfrontiert mit der fortwährenden Präsenz von rechter Gewalt, dokumentiert Julius Schien in dem Projekt »RECHTES LAND« die Tatorte rechter Gewalt und legt dabei einen bisher einzigartigen visuellen Katalog der Tatorte an.In aufwendigen Archivrecherchen machte Schien über 200 Straßenecken, Gerichtssäle und sogar Zugabteile ausfindig – allesamt Orte, an denen Menschen aufgrund extrem rechter Einstellungen getötet wurden.

»RECHTES LAND« erzählt in menschenleeren Großformatfotografien und Begleittexten die Geschichten, die sich auf diesen leeren Bühnen zugetragen haben.

Darüber hinaus möchten wir Sie erneut zum Gedenktag für die Opfer rechter Gewalt in Erfurt am 24.10.2026, ab 14 Uhr in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße einladen. Sie erhalten dazu zeitnah eine separate Einladung mit Informationen zum Ablauf. 

Zum Hintergrund des Gedenktags: Seit 1990 starben in Erfurt mindestens drei Menschen durch rechte Gewalttaten: Heinz Mädel (58) wurde 1990 queerfeindlich beleidigt, attackiert und so schwer verletzt, dass er wenige Tage später verstarb.Ireneusz Szyderski (24), ein polnischer Erntehelfer, wurde 1992 aus rassistischen Motiven von Neonazis brutal misshandelt und starb auf dem Weg ins Krankenhaus.Hartmut Balzke (48) wurde 2003 bei einem Angriff von Neonazis so schwer verletzt, dass er zwei Tage später im Krankenhaus starb.

Diese drei Menschen stehen stellvertretend für zahlreiche Menschen, die bis heute aus Motiven gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit Gewalt, Bedrohungen und Ausgrenzung erfahren. Der Gedenktag will deshalb nicht nur an die Opfer erinnern, sondern deutlich machen, dass rechte Gewalt kein Randthema ist und eine akute gesamtgesellschaftliche Herausforderung darstellt.

Weitere Informationen und Updates zum Programm finden Sie unter www.blindeflecken.com und auf den Social-Media-Kanälen der Organisator*innen: Blinde Flecken e. V., Vielfalt leben – QueerWeg Verein für Thüringen e. V. und ezra – Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Für Rückfragen stehen Ihnen zur Verfügung:
Julius Schien (Fotograf): mail@juliusschien.de und Stefanie Schreiber (Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei ezra), stefanie.schreiber@ezra.de.

Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des TMSGAF oder des BMBFSFJ dar. Für inhaltliche Aussagen und Meinungsäußerungen tragen die Publizierenden dieser Veröffentlichung die Verantwortung.