Die Opferberatung ezra blickt in diesem Jahr auf 15 Jahre Arbeit für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen zurück. Seit ihrer Gründung hat die Beratungsstelle weit über 1.500 Menschen unterstützt und mehr als 7.500 konkrete Hilfsleistungen erbracht – von einzelnen Beratungsgesprächen bis hin zu langjährigen Begleitungen.
„Als wir ezra gegründet haben, ging es darum, verlässlich an der Seite der
Betroffenen in Thüringen zu stehen. Heute, 15 Jahre später, ist daraus eine professionelle Beratungsstruktur geworden, die für viele Menschen unverzichtbar ist. Und diese wird auch in Zukunft dringend gebraucht“, sagt Franz Zobel, der die Projektleitung an Theresa Lauß übergibt und sich aus persönlichen Gründen von ezra verabschiedet.
Was 2011 mit einem kleinen Team von vier Mitarbeitenden begann, hat sich zu einer professionalisierten Struktur mit inzwischen zehn Mitarbeitenden und einem zusätzlichen Regionalbüro in Gera entwickelt. Die Arbeit ist heute stärker ausdifferenziert und umfasst neben der Beratung auch Projektleitung, Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung.
Katharina Passolt, Kirchenrätin und Vorständin des Trägervereins re:solut e. V., betont die Grundlage der Arbeit: „In den heiligen Texten des Judentums wird ‚ezra‘ immer dann verwendet, wenn es keinen mehr gibt, der hilft. Dieses Versprechen einzulösen, prägt die Arbeit seit 15 Jahren. Dass diese Arbeit notwendig ist, zeigt zugleich, wie viel Verantwortung vor uns liegt.“
Die Entwicklung der Beratungsstelle spiegelt auch gesellschaftliche Veränderungen wider. In Thüringen ist seit Jahren ein hohes Niveau rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt zu verzeichnen. 2024 wurden erstmals über 200 Angriffe registriert – ein Höchststand. Gleichzeitig hat sich die gesellschaftliche Wahrnehmung verschoben: Vorfälle stoßen seltener auf breite Empörung, menschenfeindliche Positionen sind sichtbarer geworden. „Rechte Gewalt ist für viele nicht mehr Ausnahme, sondern Teil des Alltags geworden“, berichtet Theresa Lauß, die neue Projektleiterin, die elf Jahre lang als Beraterin bei ezra tätig war.
Mit Blick auf die Zukunft unterstreicht die zukünftige Projektleiterin Theresa Lauß die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen für die Beratungsarbeit: „Die Opferberatung ist eine Regelversorgung, kein ‚Nice to have‘. Professionelle Beratungsarbeit ist Teil einer notwendigen gesellschaftlichen Infrastruktur. Somit ist sie langfristig angelegt und auf stabile finanzielle Absicherung angewiesen. Die aktuellen Unsicherheiten rund um das Bundesprogramm ‚Demokratie leben!‘ stehen dazu im Widerspruch. In einer Situation, in der Betroffene auf erreichbare Beratung, Begleitung und solidarische Netzwerke angewiesen sind, darf deren Finanzierung nicht zur Disposition stehen.“
Anlässlich des Jubiläums findet am 25. April 2026 ab 10 Uhr eine Festveranstaltung im Haus Dacheröden in Erfurt statt. Grußworte werden unter anderem von Elisabeth Kaiser, Ostbeauftragte der Bundesregierung, Katharina Schenk, Thüringer Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie, Christian Klein, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Justiz, Migration und Verbraucherschutz, sowie Nimet Gökmenoğlu, Vorstandsmitglied des VBRG (Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter Gewalt) gehalten. Zudem sendet der Landesbischof Friedrich Kramer eine Videobotschaft. Im Rahmen der Veranstaltung erfolgt zudem die Übergabe der Projektleitung von Franz Zobel an Theresa Lauß.
Für Rückfragen erreichen Sie Theresa Lauß, zukünftige ezra-Projektleiterin per Mail an theresa.lauss[at]ezra.de.
ezra arbeitet in Trägerschaft des re:solut e.V. (Rundum engagiert: solidarische Unterstützung in Thüringen e.V.), einem selbstständigen Werk der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Seit April 2011 unterstützt die Beratungsstelle Menschen, die angegriffen werden, weil Täter*innen sie einer von ihnen abgelehnten Personengruppe zuordnen. Zu dem Beratungsangebot zählen u. a. die psychosoziale Beratung, die Suche nach geeigneten Ärzt*innen, Therapeut*innen und Rechtsanwält*innen sowie die Begleitung von Terminen bei Behörden (Polizei, Gericht etc.).
Gefördert wird die Opferberatungsstelle im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie über das Thüringer Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit „DenkBunt“.
Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des TMSGAF oder des BMBFSFJ dar. Für inhaltliche Aussagen und Meinungsäußerungen tragen die Publizierenden dieser Veröffentlichung die Verantwortung.



